Der Ninja hat sein Gesicht verhüllt, das rote Stirnband festgebunden und seine grimmigste Pose eingenommen, aber seine Taschen sind völlig leer. Genau darin liegt der Witz am Anfang von Super Adventure Ninja auf Woko Games: Dein Charakter sieht aus, als wäre mit ihm nicht zu spaßen, während die Anzeige für Wurfsterne eine dicke, runde Null zeigt. Bevor du den großen Ninja-Meister geben kannst, musst du deine Waffen erst einmal selbst zusammensuchen, also übernehmen vorerst deine Beine den Großteil der Arbeit. Dieses seitlich scrollende HTML5-Jump-’n’-Run beginnt in einer grünen Landschaft, mit einem Wegweiser nach rechts und unterschiedlich hohen Plattformen, auf denen du dich ans Laufen und Springen gewöhnst. Die Gegend wäre perfekt für einen Spaziergang, nur der kleine Kerl in Schwarz scheint fest davon überzeugt zu sein, dass er einen streng geheimen Auftrag erledigt.
Du kannst stehen bleiben und den Weg prüfen, bevor du weitergehst, also besteht am Rand einer Plattform kein Grund zur Panik. Auf ebenen Abschnitten hast du Platz, um deinen Sprung vorzubereiten, doch du solltest trotzdem darauf achten, wo du landest und ob dort ein Gegner wartet. Die einäugigen Kreaturen wirken etwas verpeilt, ziehen dir bei einer Berührung aber trotzdem Gesundheit ab. Drei Herzen in der Ecke zeigen deinen verbleibenden Vorrat an, und wenn eines davon verschwindet, weil du zu hastig vorgerannt bist, leidet der Ruf als Ninja doch erheblich. Solange du noch keine Wurfsterne gefunden hast, kannst du die Monster angreifen, indem du ihnen auf den Kopf springst. Dafür musst du allerdings von oben treffen, statt seitlich in sie hineinzulaufen. Genau diese Landung ist der knifflige Teil: Selbst ein scheinbar einfacher Sprung kann für den Ninja unangenehm enden, wenn du dich verschätzt.
Sobald du Wurfsterne einsammelst und aus der Entfernung angreifen kannst, fühlt sich das Ganze schon deutlich mehr nach Ninja an. Eine Waffe zu besitzen bedeutet allerdings nicht, dass du auf alles werfen solltest, was sich bewegt, denn die Anzeige sinkt mit jedem Wurf. Du musst die Position des Gegners einschätzen und entscheiden, ob sich der Einsatz von Munition lohnt oder ein gut gesetzter Sprung ausreicht. Mir gefällt, dass du deine Waffen erst aufsammeln musst, weil jeder Wurfstern einen erkennbaren Nutzen hat und nicht bloß ein weiterer Gegenstand ist, den du aus Gewohnheit mitnimmst. Auch Herzen sind einen Blick wert, wenn deine Gesundheit knapp wird, aber vor dem Einsammeln solltest du den Weg kontrollieren. Ein Gegenstand direkt vor deiner Nase macht schnell ungeduldig, während das Monster daneben kaum höflich warten wird, bis du fertig bist.
Die Levelauswahl zeigt vier Felder, von denen das erste verfügbar ist und die anderen gesperrt sind. Die Cartoon-Grafik arbeitet mit kräftigen schwarzen Konturen, durch die sich Ninja und Monster gut von den grasbewachsenen Plattformen abheben. Zum Schmunzeln bringt mich vor allem, wie ernst der Ninja diese Umgebung nimmt: Der Himmel ist blau, die Wolken sind weiß, die Bäume sind grün, und er schaut drein, als hätte ihn die ganze Welt persönlich beleidigt. Sein schwarzer Anzug und das rote Stirnband sind vor dem hellen Hintergrund leicht zu verfolgen, während deutlich gezeichnete Plattformkanten beim Einschätzen der Sprünge helfen. Die Landschaft ist hübsch genug, um sie kurz zu betrachten, aber wenn ein Monster in der Nähe steht, kann die Besichtigung wohl noch warten.
Die Steuerung ist leicht zu lernen, trotzdem musst du dein Vorgehen an deine verbleibende Gesundheit, deinen Vorrat an Wurfsternen und die Gegner vor dir anpassen. Manchmal reicht ein sauberer Sprung, manchmal erspart dir ein Wurfstern eine unnötige Begegnung aus nächster Nähe. Diese kleinen Entscheidungen sorgen dafür, dass du beim Durchqueren eines Levels mitdenken musst. Du brauchst aus dem Ninja keinen Speedrunner zu machen, besonders wenn ein kurzer Blick auf den Weg ein Herz retten kann, das du bisher mühsam behalten hast. Bring ihn erst einmal sicher durch den nächsten Abschnitt und kümmere dich anschließend darum, möglichst beeindruckend auszusehen. Die schwarze Maske kann sein Gesicht verbergen, aber die Gesundheitsanzeige wird seine Fehler nicht vertuschen.





